Netrunner

Ich bin ja schon länger auf der Suche nach einem Kartenspiel das es mit der Komplexität und dem Spielgefühl von Magic the Gathering aufnehmen kann und ich denke jetzt habe ich zumindest einen vielversprechenden Kandidaten gefunden. Die Rede ist von Netrunner von Richard Garfield, dem Autor von Magic und Jihad. Netrunner gab es früher schon einmal als Sammelkartenspiel und wurde jetzt von Fantasy Flight Games (Heidelberger Spieleverlag hierzulande) als Living Card Game neu aufgelegt. Der große Unterschied zu Collectible Card Games ist, dass man keine Packungen mit zufälligem Inhalt erwirbt sondern immer komplette Sätze und sich die Investition somit in überschaubarem Rahmen hält. Gemeinsam ist, dass jeder Spieler sich im stillen Kämmerchen ein Deck zusammenbastelt und dann damit einen Gegner zum Duell fordert.

Thematisch geht es um den Kampf zwischen mächtigen Konzernen (Corporation) und verschlagenen Datendieben (Runner), dabei ist das Spiel asymmetrisch – sprich die Karten des Konzernspielers können nicht vom Runner benutzt werden und andersherum. Der Corporationspieler versucht Agendas voranzubringen, sein Gegner will diese stehlen. Zum Schutz der Agendas und allgemein seiner Infrastruktur installiert der Konzern Schutzprogramme (Ice) vor seine Server und der Eindringlich probiert diese zu durchbrechen um an die wertvolle Datenbeute zu gelangen. Der Runner ist also eher der aktive Part, der Konzern verteidigt sich dagegen eher passiv.

Wir haben erst eine Partie gespielt, daher kann ich nicht sagen ob das Spiel auch langfristig Spass macht. Aber soviel kann ich sagen: für etwas mehr als 30 € bekommt man ein gelungenes Kartenspiel für 2 Personen, mit 7 vorgegebenen Decks und zahllosen Variationen wenn man die Decks selbst anpasst. Vermutlich muss man die Rollen ab und zu wechseln, denn ich habe den Eindruck dass es etwas spannender ist den Angreifer zu spielen. Die Gestaltung der Karten ist hübsch und das Regelwerk macht einen äusserst durchdachten und robusten Eindruck. Ausserdem finde ich das Szenario sehr reizvoll weil es nicht so abgenutzt ist wie es etwa Schlachten in einer Fantasywelt sind. Eine klare Empfehlung also meinerseits, zumindest für die Grundbox.

Wie ein leeres Blatt

Stell dir vor du sitzt auf einer Parkbank und kannst dich nicht mehr erinnern wer du bist. Das passiert der Pariserin Eloise in dem zauberhaften Comic Wie ein leeres Blatt. Herauszufinden wo sie wohnt und was sie arbeitet stellt sich schon als schwierig heraus, aber immer noch einfach verglichen mit ihrer Suche danach was für ein Mensch sie ist, oder vielmehr war. Sie fühlt sich wie eine Fremde in ihrer Wohnung und versucht sich aus den wenigen Hinweisen die sie findet ein Bild ihres Wesens zu rekonstruieren. Beim Lesen kommt man unweigerlich ins Grübeln was man wohl selbst vorfinden würde, sollte man in die gleiche Situation kommen. Im Grunde genommen geht es in Wie ein leeres Blatt um die Suche nach der eigenen Identität, aber erfrischend erzählt ohne jegliche Gravitas.

Die Zeichnungen sind recht schlicht, vergleichbar mit Lewis Trondheim, passen aber vortrefflich zur flockigen Erzählweise. Schade fand ich dass der Band nicht als Hardcover herausgebracht wurde, dafür hätte ich gerne etwas mehr abgedrückt. Davon abgesehen: sehr schönes Comic, auch – aber nicht nur – für Mädchen (Carlsen vermarktet es als Graphic Novel für Frauen).

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Kon-Tiki

In Kon-Tiki wird die Geschichte von Thor Heyerdahl erzählt, der 1947 zusammen mit einer Hand voll beinharter Abenteurer auf einem Balsaholzfloss von Peru nach Polynesien segelte um seine Theorie zu untermauern dass Polynesien von Osten her besiedelt wurde. Ich fand den Film sehr unterhaltsam, bei ein ein paar Szenen beschlich mich allerdings der Verdacht dass sie so in Wirklichkeit wohl nicht stattfanden. Der Papagei und der Draht beispielsweise oder der Ringkampf mit dem Hai. Wenn ihr Lust auf eine spannende Expedition mit spärlich bekleideten Skandinaviern mit kolossalen Bärten habt, ist das ein Streifen für euch.

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Renitenter Blackmetalpunk

Gerade bin ich über den Ausdruck „Renitenter Rentner“ gestolpert, wunderbar. Verkürzt vielleicht „Renitentner“. Als solchen darf man mittlerweile wohl auch Mike Muir von den Suicidal Tendencies bezeichnen, die gerade ihre 13. Studioaufnahme veröffentlicht haben. Mit 13 Songs, das erste Album seit 13 Jahren, der Titel: „13“. Aber so richtig begeistert bin ich leider nicht, es ist nicht schlecht und handwerklich hervorragend gespielt aber mir einfach nicht punkig genug, bis auf das feine „This aint no celebration“.

Dann habe ich mir noch Kvelertak aus Norwegen zu Gemüte geführt, die Burschen spielen eine interessante Mischung aus Blackmetal und Punk was durchaus Sinn macht, denn Pandagesichtsmusik ist jetzt nicht so weit entfernt von Irokesengeschrammel. Das gleichnamige Album ist jedenfalls durchaus hörenswert, aber sicher nicht jedermanns Sache vor allem wegen des Schreigesangs.

Ausserdem bin ich noch mit dem Anime „Neon Genesis Evangelion“ fertig geworden, das ist eine Serie mit 24 Teilen aus den 90ern und da wusste ich bis zuletzt gar nicht was ich davon zu halten habe. Die Geschichte spielt in der Zukunft, die Erde wird von Monstern angegriffen (Engel) und von Schülern in Kampfrobotern verteidigt (Evangelions). Alles sehr undurchsichtig. Was aber lustig war: ein Charakter ist eine Austauschschülerin aus Deutschland und im japanischen Originalton spricht sie manchmal tatsächlich Deutsch was irgendwo zwischen unverständlich und skurril klingt.

Ach und Shoot many Robots habe ich auch noch durchgespielt, es war ganz nett aber sicher keine Empfehlung. Mich hat hat vor allem die schwammige Steuerung genervt und dass man einen Redneck spielt, damit konnte ich irgendwie gar nichts anfangen.

Zuletzt noch ein kleiner Tipp: auf Geek and Sundry gibt es „Space Janitors“ eine Sitcom die vom Leben und Leiden der Hausmeister des Todessterns (bzw. einer Parodie davon) erzählt. Die erste Season dauert insgesamt etwa eine Stunde und wer Star Wars mag wird sicher seinen Spass damit haben.

So und jetzt wird es Zeit dass das Wochenende beginnt. Und der Frühling.

Star Trek TNG Staffel 6

Die sechste Staffel ist jetzt auch an mir vorbeigeplätschert, die meisten Folgen waren mittelmässig. Dem überwiegenden Teil habe ich mehr oder weniger als Hörspiel gelauscht und nebenbei gemalt. Richtig gelungen fand ich nur diese drei:

„Starship Mine“, die Nummer 18, in der Captain Picard weil er seinen Turnbeutel auf der Enterprise vergessen hat ein paar Halunken dabei ertappt wie sie Trilithium von seinem Schiff stehlen wollen. Jean-Luc auf einsamer Mission, sehr schön.

Folge 21 „Frame of Mind“ war fantastisch, Riker ist in einem Sanatorium und man macht ihm klar dass sein Leben als Offizier auf einem Sternenschiff nur eine Wahnvorstellung ist. Ist ja jetzt nicht so abwegig, der Gedanke.

Was mich ausgesprochen verblüfft hat war Episode 24 „Second Chances“, in der durch einen Teleporterunfall ein zweiter Riker auftaucht der die letzten 8 Jahre gestrandet auf einem Planeten verbracht hat. Es kommt zum unvermeidlichen Techtelmechtel mit Troi und dann zu einem gefährlichen Unterfangen bei dem der überzählige Riker umkommt, schliesslich muss am Ende einer Episode ja der Status Quo wiederhergestellt werden. Aber nein: Riker II überlebt, verlässt die Enterprise und lebt glücklich bis ans Ende seiner Tage. Damit habe ich echt nicht gerechnet, ich bin schon gespannt ob er in der letzten Staffel nochmal auftaucht und beispielsweise wissen will wie das jetzt genau mit den Pensionsansprüchen ist.

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