1001 Movies: Meilenstein, The dead don’t die, Trillium

Mühsam ernährt sich das Eichhörnchen. Nach zähem Ringen habe ich es tatsächlich geschafft eine Seite des Buches 1001 Movies you must see before you die zu komplettieren. Dabei versuche ich möglichst alle Filme legal im Netz zu sehen, was teils schwierig bis unmöglich ist. Die größten Problemfilme (Dilwale dulhania le jayenge, Biruma no tategoto) habe ich mir dann via eBay aus Südkorea bestellt, für unfassbar günstige 5€ inklusive Porto. Trotz des Aufwands folge ich der Mission noch immer, denn am Ende des Tages erweitert man seinen Horizont doch beträchtlich, gerade wenn man Filme aus fernen Ländern anschaut, die sich nicht an Hollywood Konventionen halten.

Apropos Filme, Jim Jarmusch hat mit The dead don’t die einen Ausflug ins Zombiegenre unternommen und ich finde es ist eine Bereicherung für die lebenden Toten. Der Film ist sehr entspannt und hat ein paar gute Lacher, es ist aber trotz der wunderschönen Aufnahmen vom ländlichen Amerika immer noch ein Horrorfilm. Mir hat er jedenfalls gefallen.

Gute Laune verschafft mir immer noch Comixology, da habe ich für 22 € die Werkausgabe von Mike Mignolas Hellboy erstanden, wenn man die Comics in gedruckter Form besitzen möchte, muss man so etwa 240 € abdrücken. Aber es gibt tatsächlich auch etwas zu bejammern: gerade habe ich Jeff Lemiers wunderschönes Trillium gelesen und da sind einige Seiten auf dem Kopf gezeichnet, wenn man dann das Tablet herumdreht, passt sich natürlich der Bildschirm an und man sieht es wieder verkehrt herum. Man hat’s nicht leicht in der digitalen Welt.

My Life With The Spirits: The Adventures of a Modern Magician

In My Life With The Spirits lässt Lon Milo DuQuette den Leser nach einer kurzweiligen autobiographischen Einführung an seinen okkulten Ritualen teilhaben. Der Autor erzählt so eloquent und geschmeidig dass man schnell übersieht was einem da gerade berichtet wird: von magischen Handlungen mit denen Geister und Dämonen beschworen werden um daraus Vorteile zu ziehen, beispielsweise ein gestohlenens Auto wiederzuerlangen.

Einiges kann man sicherlich rational erklären, so kann Autosuggestion sicherlich dazu führen dass man eine besonders schwere Aufgabe leichter erledigt und manches Erlebnis des Autors war vielleicht einfach bloss reiner Zufall. Und trotzdem lässt das Buch selbst einen eingefleischten Skeptiker wie mich etwas ratlos zurück: was wenn an Spiritualität und Okkultismus nun doch etwas dran ist ? Das war jedenfalls sicher nicht das letzte mal dass ich etwas in der Richtung gelesen habe, denn selbst wenn man alles als Phantasie abtut, war das Buch dennoch interessant und unterhaltsam.

Amerika und Lederhosenzombies

Ab und an suche ich mir ein Buch aus der Spiegel Belletristik Bestsellerliste das kein Krimi ist, in der Regel kann man sich darauf verlassen dass es überdurchschnittlich unterhaltsam ist. Diesmal hab ich Amerika von Joachim Mayerhoff gelesen, den Auftakt der Alle Toten fliegen hoch Trilogie. Es ist irgendetwas zwischen Autobiographie und Roman was hier über einen Schüleraustausch in den 80ern in die U.S.A. erzählt wird, mit dezenter Ironie und sanfter Komik. Aber irgendwie auch wie ein Popsong: gefällig doch irgendwie egal.

Wenn ein Film den Titel „Angriff der Lederhosen Zombies“ hat, muss ich ihn einfach sehen da führt leider kein Weg dran vorbei. Wenig überraschend handelt es sich um eine kauzige Splatterhorrorkomödie mit lebenden Leichen die eine Skihütte heimsuchen. Wer Braindead mochte, erfreut sich sicher auch an den Alpenzombies. Genervt hat mich bloss die Synchronisation: ich habe mir den Film auf deutsch angesehen weil ich dachte das wäre die Originalsprache, er wurde allerdings auf englisch aufgenommen und dann übersetzt und wie üblich nicht besonders gut. In diesem Fall verstärkt das den Trashfaktor noch etwas, vielleicht war das ja sogar so gewollt.

Mr. Nice, John Sinclair und Ultimate Beastmaster

Nachdem ich schon ewig keinen Fernseher mehr besitze, habe ich schon seit Jahren keine Spielshow mehr gesehen. Ultimate Beastmaster ist sowas wie einst American Gladiators oder Fort Boyard auf Netflix. Es gibt einer Reihe Kandidaten und Kandidatinnen, die versuchen in einem Hindernisparkour möglichst weit zu kommen. Wer am weitesten kommt, erhält die meisten Punkte und am Ende einer Runde liefern sich die Spieler mit den meisten Punkten ein Stechen in einem extraschweren Level.

So weit erst mal recht unspektakulär, überrascht hat mich dass die Hindernisse wirklich schwer sind und die Teilnehmer allesamt durchtrainierte Sportler waren. Weniger Klamauk also, stattdessen harter Wettkampf. Der Hindernisparkour heisst „The Beast“ und ist wie eine Reise durch das Innenleben eines Monsters angelegt, inklusive Magen und Verdauungstrakt. Es gibt mehrere Level bei denen immer die Spieler mit den wenigsten Punkten ausscheiden, und so manch ein Muskelberg kommt nicht mal die ersten Plattformen hoch. Am besten sind in der ersten Staffel Kletterer zurechtgekommen, aber das lässt sich ja durch eine andere Gewichtung bei den Hindernissen umgestalten. Als ersten Versuch fand ich die Serie recht gelungen. Chips und Bier Unterhaltung halt, nicht mehr aber auch nicht weniger.

Was ich mich dabei gefragt habe ist ob es so etwas künftig als trainerbaren Sport geben wird, also wie ein extremer Parkourverein mit dem Ziel weltweit an solchen Veranstaltungen teilzunehmen für Ruhm und Preisgelder (hier gab es 10k $ für den Einzelsieg und 50k für den Besten der Staffel). Das ist noch weit von Starcraft oder CS:GO entfernt aber ich finde es hat Potential. Übrigens ist die Sendung auch gleich von vornherein mehrsprachig konzipiert, das fand ich ungewöhnlich. Es gibt für jede Nation ein Moderatorenpärchen die öfter mal im O-Ton reingeschnitten werden, am besten fand ich die Japaner und Südkoreaner. Würde ich mir definitiv wieder anschauen, vorausgesetzt der Kurs wird jedes mal umgestaltet und der Soap Anteil nimmt nicht zu („Kandidat X hat schwere Krankheit Y überwunden und hier rennt er los, oh nein gleich beim ersten Hindernis versagt“. Und die Japaner so: „Schande ! Schande !“)

Dann habe ich vor kurzem die Biographie von Howard Marks gelesen: Mr. Nice. Der smarte Brite war in den 80ern der wohl größte Haschischschmuggler der Welt und hat allerlei Kurioses zu berichten. Nicht ganz so ausschweifend wie „The Dirt“, aber schon recht amüsante Gangstergeschichten der harmlosen Sorte. Man hätte das Buch vielleicht etwas straffen können, vor allem gegen Ende zu aber nichtsdestotrotz feinster Lesestoff. Meine Lieblingsszene war die mit den 2 Nonnen, 5 Bettlern und 7 Zwergen in Bangkok.

2000 Jahre John Sinclair ! Nicht ganz, es ist vor kurzem das Heft mit der Nummer #2000 erschienen und das habe ich mir gleich zusammen mit ein paar Klassikern aus der Reihe rausgelassen. Erst habe ich „Die Teufelsuhr“ #155 geschmökert und dann gleich „Das Horror-Schloss im Spessart“ #7 hinterher und es liest sich natürlich genau wie die Titel es versprechen: non-stop Action in schnörkelloser Sprache, garniert mit etwas Erotik und Softcoresplatter. Liest sich alles unfassbar schnell weg, wobei so manch eine Formulierung unfreiwillig komisch wirkt und am Ende gewinnen die Guten. Ein paar der Hefte sollte man davon in seinem Leben schon gelesen haben, finde ich.

Vampire, Schlaf und Bücher von der Sargnagel

Das interessanteste das ich diesen Monat gelesen habe war das Geo Kompakt über Schlaf und Traum. Einiges über Sinn und Ablauf der nächtlichen Ruhe war mir ja schon vorher bekannt aber so schön aufbereitet und umfassend hab ich noch nie darüber geschmökert. Absolut großartig war der Hinweis darauf dass man klarträumen kann, bei mir hat allein die Information dass es so etwas gibt schon solch einen ausgelöst. Wenn man klar träumt, ist man sich bewusst dass man gerade schläft und kann das Geschehen im Traum beeinflussen und beispielsweise fliegen oder was auch immer einem in den Sinn kommt. Das werde ich definitiv noch tiefer ergründen.

Dann habe ich noch die erste Staffel von The Strain gekuckt und bin restlos begeistert. Vampirgeschichten sind grundsätzlich ja nicht so ganz mein Metier, vor allem diese herzschmerz-romantik Twilight Blutsauger laufen mir so gar nicht rein. Aber ganz anders in der Serie von Guillermo del Toro: hier geht es um eine Epidemie von Würmern, die ihren Wirt zum Aussaugen unbescholtener Mitbürger bringen. Feinste Unterhaltung für Horrorfans mit klasse Charakteren, grotesken Effekten und einem halbwegs glaubhaften Szenario.

Und zuletzt noch ein Tipp für Freunde von grindigen Zoten und derbem Fäkalhumor: lest mal was von Stefanie Sargnagel. Ich habe die ersten beiden Bücher „Binge Living“ und „In der Zukunft sind wir alle tot“ geradezu verschlungen und jetzt noch Muskelkater vom Dauergrinsen. Das ist wirklich unfassbar lustig, wenn man auf leicht asoziale Texte steht. Und obendrein lernt man noch witzige österreichische Wörter, wie „Fladern“ ! Fand ich so leiwand dass ich jetzt gleich noch das dritte Werk auf meinen Wunschzettel schubse.

Ash vs Evil Dead und Panzerballet

Mag sein dass nicht aus jedem Film gleich eine Serie gezaubert werden muss, aber bei Ash vs Evil Dead hat sich die Transformation durchaus gelohnt. Ash muss 30 Jahre nach den unliebsamen Ereignissen in der Hütte im Wald mal wieder Kettensäge und Schrotflinte herauskramen und etliche dämonische Unholden den Garaus machen. In feinster Splattermanier fliessen hektoliterweise Kunstblut, es bersten Knochen und es rollen Köpfe. Und garniert wird das Gemetzeln von halbseidenen, trockenen Sprüchen. Genrefreunde werden definitiv ihren Spas haben, zart besaitete Gemüter werden spätestens nach 5 Minuten wieder zu Rosamunde Pilcher umschwenken. Ich fand’s gelungen und freu mich auf die nächste Season die im Oktober anläuft.

Wo wir gerade bei bizarrer Unterhaltung sind: Panzerballett ist eine Münchner Jazz-Metal Band und die Musik klingt genauso anstrengend wie man sich das vorstellt. Keine geradlinigen Rhytmen, abgefahrene Soli und obendrein noch ein Saxofon das sich gerne mal mit den Gitarren duelliert. Quasi das Gegenstück zu Easy Listening und eine Lektion in Demut für jeden Instrumentalisten, nehmt euch mal eine Stunde Zeit und hört euch ein Album der Band an, es lohnt sich.

Die Akte Whitechapel

whitechapelDie Akte Whitechapel ist mehr oder weniger eine gruselige Variante von Scotland Yard. Ein Spieler übernimmt die Rolle von Jack the Ripper im viktorianischen England und versucht vier Nächte hintereinander im Londoner Stadtteil Whitechapel Dirnen zu ermorden, während die übrigen Spieler verzweifelt versuchen ihm das Handwerk zu legen.

Die Regeln sind vergleichsweise simpel: Jack bewegt sich im Verborgenen indem er hinter einem Sichtschirm die Zahl des Feldes notiert auf das er geflohen ist und muss versuchen vor dem Morgengrauen sein Versteck zu erreichen, das er zu Beginn des Spiels festgelegt hat. Die Polizisten versuchen ihn einzukreisen und können in jedem Zug entweder nachfragen ob der Gejagte diese Nacht in einem ihrer Nachbarfelder war oder sie können eine Verhaftung durchführen. Es gibt noch ein paar Sonderregeln, beispielsweise kann Jack Spezialbewegungen durchführen, aber im groben war es das schon.

Das Spiel ist spannend bis zum Schluss, wobei Jack the Ripper naturgemäss den aufregenderen Part hat. Die Detektive müssen langfristig denken und sich strategisch positionieren, denn wo sie die letzte Nacht ihren Dienst beendet haben wirkt sich darauf aus wo sie in der darauffolgenden Nacht die Jagd beginnen. Am Anfang versucht man erst einmal grob die Gegend herauszufinden in der sich das Versteck des Delinquenten befindet um ihn dann später dort stellen zu können, was sich als gar nicht so einfach erweist: bei unserem ersten Versuch haben die Sicherheitsbehörden jedenfalls jämmerlich versagt.

Die Idee ist zwar nicht neu, aber der Flair gefällt mir besser als Scotland Yard und die Ausstattung geht auch in Ordnung. Mir hat’s gefallen und ich freu mich schon darauf mal den Schlitzer zu spielen.