Beyond Magnetic

Metallica haben still und heimlich eine EP mit Stücken aus der Death Magnetic Studiozeit herausgebracht. Im Gegensatz zum Album sind die „neuen“ Songs allerdings nicht übersteuert abgemischt sondern klingen dankenswerterweise angenehm.

Das Material ist etwas schwächer als jenes auf Death Magnetic, logisch sonst hätte man es ja nicht aussortiert. Und mir geht es wie beim Album: es ist nicht schlecht was die Burschen da abliefern aber so richtig begeistern kann ich mich nicht so recht dafür. Was mir fehlt ist das Gefühl ein Stück unbedingt nochmal hören zu wollen. Um auch das Positive zu erwähnen: es gibt ein paar schöne Riffs, einige hörenswerte Soli und die EP kostet weniger als 4 Euronen.

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Mail-order Mysteries

Wer einmal ein John Sinclair Heftchen gelesen hat kennt wohl die Seite mit Anzeigen für allerlei skurrile Dinge die man für sein Taschengeld bestellen konnte. Mir sind vor allem die Sea Monkeys in Erinnerung geblieben, von denen ich bislang irrtümlicherweise annahm es handele sich um Urzeitkrebse.

Kirk Demarais hat sich die Mühe gemacht all diese Produkte aufzuspüren und in seinem Buch Mail-order Mysteries Real Stuff from Old Comic Book Ads ! jeweils mit Fotos und den Originalanzeigen zu beschreiben. Obwohl die Werbung dafür amerikanischen Comicheften entnommen wurde kennt man vieles hierzulande aus Wundertüten oder als YPS Gimmicks.

Ich habe gerade zwei Stunden in Kindheitserinnerungen geschwelgt, weitaus interessanter ist es jedoch die Werbetexte zu studieren denn es wurden zwar stets unglaubliche und wundervolle Dinge angepriesen die sich dann in Wirklichkeit als weitaus profaner darstellten aber geflunktert wurde in den Anzeigen meist nicht. Es wurde lediglich etwas übertrieben und mit der Neugier des Lesers gespielt und das ist eine echte Kunstform wie ich meine.

Heutzutage würde so etwas gar nicht mehr richtig funktionieren weil man einfach im Netz recherchieren kann was sich etwa hinter der Röntgenbrille oder dem „7 Foot Dinosaur“ genau verbirgt.

Fazit: ein schöner Bildband aber leider etwas zu dünn für’s Geld.

Nävis

Im Urlaub war Zeit endlich mal Nävis (aus Sillage) fertigzumalen. Das ist das erste mal dass ich Licht/Schatteneffekte gepinselt habe und ich muss sagen dass der Aufwand schon erheblich höher ist als bei den „flachen“ Bildern die ich sonst so fabriziere. Mit dem Ergebnis bin ich recht zufrieden auch wenn es gewiss viel zu verbessern gibt.

Ready Player One

Der wunderbare Debutroman von Ernie Cline erzählt die Geschichte von Wade Watts, einem Jungspund der wie viele andere Gunter auf der Suche nach James Halliday’s Easter Egg in der OASIS ist.

In der Zukunft spielt sich der Großteil des gesellschaftlichen Lebens in einer virtuellen Welt, der OASIS ab. Hier wird gelernt, gearbeitet und auch die Freizeit verbracht, die  Benutzers nehmen mit VR-Brille, Headset, Geruchserzeuger und Datenhandschuh teil an der künstlichen Realität. Der Schöpfer der OASIS hat das Zeitliche gesegnet und beschlossen das gesamte Konstrukt demjenigen zu überlassen der es schafft das Easter Egg zu finden, das er irgendwo in der Simulation versteckt hat. Wo märchenhafter Reichtum lockt sind natürlich auch raffgierige Unternehmen auf dem Plan und so jagen Freizeithelden, die sich selbst Gunter nennen und Angestellte gleichermassen den kryptischen Hinweisen hinterher um Halliday’s Erbe anzutreten.

Das Buch ist durchwegs spannend und die technischen Details sind allesamt glaubhaft beschrieben. Im Grunde geht es um den alten Nerdtraum dass all das unnütze Wissen um obskure Computerspiele, Filme und Fersehserien letztendlich doch für etwas zu gebrauchen ist. Beim Lesen werden viele Erinnerungen wach, von Arcadeklassikern über Monty Python, Star Wars und Animes bis zu D&D wird unglaublich viel Nerdkultur abgefeiert. Ich fühlte mich etwas an die Romane Extraleben und Der Bug von Constantin Gillies erinnert, die übrigens auch sehr empfehlenswert sind.

TLDR: Pflichtlektüre für jeden Nerd, vor allem wenn man ein Faible für Computerspiele hat.

Echoes

Echoes von Joshua Hale Fialkov und Rahsan Ekedal ist ein Horror/Psychothrillercomic. Es handelt von Brian Cohn, der an Schizophrenie leidet und auf Medikamente angewiesen ist um sein Leben einigermaßen im Griff zu haben. Dennoch verfolgen ihn Trugbilder und Angstzustände. Als er seinen sterbenden Vater im Krankenhaus besucht, erzählt dieser ihm in seinen letzten Atemzügen etwas von toten Mädchen, einer Kiste mit schrecklichem Inhalt und wo er diese versteckt hat. Brian versucht herauszufinden was hinter den wirren Worten des Greises steckt als ein kleines Mädchen spurlos verschwindet.

Echoes ist ein sehr intensives Comic, das Horrorgenre zehrt gemeinhin ja von Schockszenen was in gedruckter Form meist nicht besonders gut funktioniert. Daher leben Horrocomics hauptsächlich von der düsteren Stimmung die sie erzeugen und das klappt hier vortrefflich. Die Geschichte ist dermassen spannend erzählt dass dem Leser nichts anderes übrig bleibt als sie in einem Zug zu verschlingen. Die Zeichnungen sind eher schlicht und schwarz-weiss, dafür aber recht dynamisch und passend zum Erzählten. Mir hat’s jedenfalls gefallen.

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Quirkle

Wenn man gemein wäre, könnte man Quirkle als Scrabble für Analphabeten bezeichnen. In dem Legespiel geht es darum mit bunten Holzsteinen Reihen zu bilden die entweder die gleiche Farbe oder das gleiche Symbol aufweisen. Wer solch eine Reihe, oder auch mehrere auslegt bekommt dafür Punkte. Das Spiel endet wenn keine Spielsteine mehr vorrätig sind und ein Spieler seinen Vorrat an diesen erschöpft hat. Dann gewinnnt derjenige mit den meisten Punkten.

Das hört sich einfach an, und das ist es auch. Quirkle ist schnell erlernt und dank der geringen Komplexität kann man es auch in angeheitertem Zustand spielen. Entscheidend für den Sieg ist erster Linie der Zufall, sprich welche Steine man aus dem Vorrat zieht. Abendfüllend ist das Spiel aber leider nicht, nach einigen Runden nimmt die Freude am Finden der bestmöglichen Kombination doch etwas ab. Wenn man einen Spieleabend etwas auflockern will ist man mit einem Quirkle zwischendurch allerdings gut bedient.

Beworben wird das Spiel übrigens mit dem Spruch „Einfach begonnen, schnell gewonnen“, da hat die Marketingabteilung ganze Arbeit geleistet. Ich nehme an die Vorgabe war es einen Reim zu finden in dem die Haupteigenschaften einfach und schnell vorkommen mussten. Naja.

eBooks vs totes Holz II

Mir sind noch ein paar Dinge zum Thema eBooks eingefallen.

Ein echter Nachteil von elektronischen Büchern ist dass es unmöglich ist diese anonym zu erstehen. Zwar kaufte ich auch die meisten meiner herkömmlichen Druckwerke bei Amazon und der Konzern weiss damit besser als ich selbst was meine Interessen sind aber zumindest habe ich die Wahl mir ein subversives Buch in einem Buchhandel zu kaufen und bar zu bezahlen um keine Datenspuren zu hinterlassen. In diesem Fall bleibt dem Leser nur die Möglichkeit Tauschbörsen oder ähnliche dunkle Kanäle zu bemühen.

Wer wie ich mit geminderter Sehleistung gestraft ist wird sich darüber freuen dass man die Schriftgrösse ändern kann. Boneshaker, ein durchaus empfehlenswerter Steampunk Roman war zum Beispiel aus Stilgründen hellbraun auf gelblichen Papier gedruckt was das Lesen für mich recht anstrengend machte. Ebooks trennen die Form vom Inhalt und lassen dem Anwender Freiheiten die Form selbst zu bestimmen, was natürlich gleichzeitig den Nachteil hat dass das Werk nicht mehr von einem ansprechenden Äusseren aufgewertet werden kann. Das erinnert etwas an den ästhetischen Verlust den man hinnehmen musste als Albencover durch den Umstieg von LP auf CD nur noch ein Viertel ihrer ursprünglichen Größe hatten. Die Musik war zwar die gleiche, aber irgendwie fehlte dennoch etwas.

Noch etwas zu Datenträgernostalgikern: man hört ja öfter von Menschen die Vinylplatten CDs vorziehen und natürlich auch von solchen die CDs gegenüber MP3s vorziehen. Bislang ist mir aber noch niemand begegnet der behauptet dass nur Filme auf VHS wirklich gut aussehen. Denkt mal drüber nach :-)